WIR präsentiert: Franz Pfeifer, ein Leben für die Feuerwehr

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Im kommenden Jänner wird Franz Pfeifer 98, im Februar 2018 war er 70 Jahre bei der Feuerwehr. Sein Rezept für das hohe Alter und seine Fitness? „Ich hab normal gelebt und nix geraucht“, meint er. Sportlich war er auch und nicht zuletzt die Feuerwehr hat ihn jung gehalten.

Erst vor zwei, drei Jahren hat er mit dem Skifahren aufgehört: „Meine Hüfte tut nicht mehr mit, aber mit 92 bin ich noch Rennen gefahren, bei den Österreichischen Senioren-Meisterschaften in Tirol bin ich im Riesentorlauf angetreten“, erzählt er. Den Führerschein hat er 1948 gemacht, seither ist er mit dem Auto unterwegs - und stolz darauf, nie einen Unfall gehabt zu haben. Zur Feuerwehr ist er gekommen, weil nach dem Krieg im Jahr 1948 in Gratwein Fahrer für die Feuerwehr gesucht wurden und er den Führerschein für alle Klassen hatte. Seitdem ist er als Feuerwehrmann aktiv, mit 60 hörte er als Fahrer auf und trat in die zweite Gruppe zurück.

Ausrücken tut er aber heute noch – natürlich nicht zu Einsätzen, aber wenn es etwas zu feiern gibt, etwa am Florianitag, ist er gern dabei und auch bei Begräbnissen ist er zur Stelle. Überhaupt sind die Senioren eine starke Gruppe im Feuerwehrwesen: „Die Tageseinsatzbereitschaft lässt sich oft nur mit ihnen gemeinsam aufrecht halten.

Auch wertvolle Arbeiten rund ums Rüsthaus werden oft von ihnen übernommen“, weiß der Bereichsfeuerwehrkommandant von Graz-Umgebung Gerhard Sampt diesen Einsatz zu schätzen. 70 Jahre sind eine lange Zeit - Franz Pfeifer erinnert sich an Waldbrände und war auch bei der Bekämpfung des Silobrandes in der Papierfabrik Leykam dabei, der am 17. Jänner 1976 - einem Samstag - ausbrach. „Brand aus“ konnte damals erst am Donnerstag der darauffolgenden Woche gegeben werden.

Auch seine Lebensgeschichte hat der Krieg mitgeprägt – drei Jahre war er an der Eismeerfront und wurde dann nach Griechenland verlegt. Von dort folgte der Rückzug in Richtung Heimat: „Als ich in Cilli war, war der Krieg aus.“ Drei Tage verbrachten 1000 Mann dort in einem Lager, bekamen fast nichts zu essen. Dort traf Franz Pfeifer einen Gratkorner und um sich der drohenden Gefangenschaft zu entziehen, „sind wir in der Nacht stiften gegangen. Zwölf Tage haben wir gebraucht bis heim und dann haben wir uns drei Wochen nirgends anschauen lassen.“ Das Glück war auf ihrer Seite – sie gingen in die Papierfabrik Leykam zur Arbeit und bekamen dort Ausweispapiere.

Franz Pfeifer mit Bereichsfeuerwehrkommandant Gerhard Sampt.

Auch seinem Arbeitsplatz in der Papierfabrik ist Franz Pfeifer übrigens 40 Jahre lang treu geblieben. So wie er auch immer Mitglied der Feuerwehr Gratwein geblieben ist, obwohl er mit seiner Frau in Gratkorn ein Haus gebaut hat: „Wir haben beide gearbeitet, da war das Hausbauen leichter. Meine Frau hat mich immer sehr unterstützt.“

Sie ist mit 80 Jahren gestorben, die zwei waren 59 Jahre miteinander verheiratet. Jetzt lebt er allein in seinem Haus und versorgt sich immer noch selber. „Ich kann alles kochen“, schmunzelt er. Bei drei Kindern, sechs Enkelkindern und fünf Urenkeln ist er aber auch oft eingeladen. Über die Frage, was für ihn die Feuerwehr ausmacht, muss er nicht lang nachdenken: „Du musst Zeit haben für die Feuerwehr, net streiten, net politisieren, da sind alle gleich. Mich haben sie immer gern gehabt und ich sie – wir haben uns immer gut vertragen.“

Die erste Adresse ist die Feuerwehr

Die Unwetter der vergangenen Wochen haben die Feuerwehren an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht. „Wir sind heuer mit den Zahlen dort, wo wir im ganzen vorigen Jahr waren“, seufzt Bereichsfeuerwehrkommandant Gerhard Sampt.

Es wird auch für die Feuerwehr immer schwieriger, je höher das Einsatzaufkommen ist. „Unser ‚Hobby’ ist nicht planbar, wirft Terminpläne durcheinander, man muss auf vieles verzichten, muss vieles hintanstellen. Es kostet viel Energie, bringt aber noch mehr zurück“, erzählt Sampt.

Man muss das Leben auf die Funktion abstimmen, die Familie, aber auch der Dienstgeber haben viel Verständnis aufzubringen. Von Beruf ist der Bezirksfeuerwehrchef Justizwachebeamter in der Justizanstalt Graz-Karlau. Beruf, Familie und Feuerwehr unter einen Hut zu bringen, ist nicht leicht: „Die Feuerwehr ist ein guter Ausgleich zum Job, aber der Preis ist schon hoch.“ Seit 1988 ist Gerhard Sampt bei der Feuerwehr, seit 2012 Bereichsfeuerwehrkommandant in Graz Umgebung.

Auf Bezirksebene ist es das Ziel, bis Ende 2019 jedes Feuerwehrhaus mit Notstrom zu versorgen – weit mehr als die Hälfte hat dafür noch kein eigenes Notstromaggregat - um damit auch über gewisse Stromreserven zu verfügen, denn die Feuerwehr ist im Notfall immer die erste Anlaufstelle. Auch die Treibstoffbevorratung ist in diesem Zusammenhang ein Thema. Für GU wird zudem eine Drohne zur Lageerkundung, Dokumentation und Einsatzunterstützung angeschafft. Und noch eines ist Gerhard Sampt ganz wichtig – auf die Bedeutung von Rauchwarnmeldern hinzuweisen: „Da wären auch für den Altbestand gesetzliche Vorgaben notwendig, wie es sie für Neubauten gibt. Viel an Leid und Schmerz könnte, abgesehen von der Schadensminimierung durch Früherkennung, verhindert werden.“

Noch dazu, wo die elektrischen Gefahrenquellen immer mehr werden – Akkus, Ladegeräte, kaum etwas funktioniert noch ohne Batterie. Was ist für ihn das Wichtigste bei der Feuerwehr? Die Kameradschaft, meint Sampt: „Mit der Kameradschaft liegt und steht alles – da nützt die beste Ausrüstung nichts. Jeder ist gleich. Im Fall der Hilfeleistung - wir fragen nicht, wer das ist, woher er kommt, welche Konfession er hat – ebenso wie bei einem Einsatz, da steht der Universitätsprofessor neben dem Schichtarbeiter im Schlamm.“ Und etwas unterschätzen viele völlig: „Die Feuerwehr ist ein Riesennetzwerk, da können Sie Facebook, WhatsApp und Co vergessen! Egal, wo man unterwegs ist – über die Feuerwehr lässt sich jedes Problem lösen“.

Aufräumungsarbeiten im Gelände. FOTO: FF Feldkirchen

Nachwuchs in Aktion. FOTO: FF Deutschfeistritz

Land unter. FOTO: FF Zwaring Pöls

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  • Dieser Inhalt ist: Redaktioneller Beitrag
Letzte Änderung am Dienstag, 26 Juni 2018 16:39

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